Angela Glajcar

Terforation, 2017
58,5 x 38,5 x 19 cm
Papier, gerissen

Angela Glajcar ist Bildhauerin. Aus der Tradition kompakter Holz- und Metallskulpturen kommend, arbeitet sie heute vorwiegend installativ mit industriell gefertigtem Papier und technoiden Werksto­en wie Glasgewebe und komplexen Kunststo­materialien.

Glajcars häufig für einen spezifischen Ort entwickelten Skulpturen und Objekte werden bestimmt von der Einbindung von Licht.

Einem breiteren Publikum bekannt wurde Angela Glajcar durch ihre „Terforationen“. Das sind Objekte aus hintereinander gesta­elten Papierbahnen, in denen durch Einreißen Räume entstehen.

Terforation leitet sich einerseits ab von Perforation (vom lat. foramen=Loch), also dem Durchlochen von Hohlkörpern oder achen Gegenständen. Andererseits lehnt sich der von Glajcar etablierte Begri­ an das lateinische terra=Erde an. Damit spielt die Künstlerin auf den Begri­ terra incognita (unerforschtes Land; ‑gurativ: Neuland) an, um deutlich zu machen, dass es in ihrer Arbeit um die Erkundung unerforschter Gebiete geht. Denn terra incognita umreißt die vage Kenntnis, die Vermutung um Wissen, das zur Zeit noch nicht genau definiert werden kann. Was sich der genauen Definition entzieht, das ist das Gebilde, der Raum, der durch die Hintereinanderschichtung der Papiere mit Aussparung entsteht.

Um den Blick auf dieses Dazwischen, dieses Nichts, das durch die Einbindung in die Arbeit doch Etwas ist, zu lenken, kann man nie ganz durch die Arbeiten schauen, denn die Löcher liegen so hintereinander, dass der Raum ins Ungewisse führt.

Dass wir eine Höhle oder einen Tunnel zu erkennen glauben als dieses Innere, basiert auf unserem Erfahrungshorizont. Die von der Künstlerin gescha­enen Räume haben jedoch keinen direkten Bezug zur figürlichen Welt. Weder haben wir es also mit einer Höhle noch einem Abbild von einer Höhle zu tun. Alles, worauf wir geworfen werden, ist Platons Höhlengleichnis. Wir sehen, was wir sehen können oder wollen.

Angela Glajcar illustriert mit ihren Skulpturen die Möglichkeiten der Magie des Papieres, der Verheißung des weißen Papieres vor sich und der Kraft und Beständigkeit, die Papier hat. Papier ist für die Ewigkeit.