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Feininger Klee Bauhaus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„feininger klee bauhaus“ ist der Titel eines bemerkenswerten und ungewöhnlichen Ausstellungskonzepts zum 100. Geburtstag der großen Kunst- und Designschule: Drei namhafte Galerien – zwei große Künstler des Bauhauses – zwei Kontinente. Die insgesamt 53 Werke von Feininger und Klee ziehen am 17. September 2019 von New York in die Galerie Utermann nach Dortmund und von dort Ende des Jahres nach Wien.

Alle drei Galerien – Galerie Utermann, Shepherd W&K Galeries, Wienerroither & Kohlbacher – sind wichtige Kunsthändler sowohl der Klassischen Moderne im Allgemeinen wie auch der großen Bauhaus-Meister Feininger und Klee im Besonderen. Bereits 1977 zeigte Utermann eine erste Feininger-Einzelausstellung, es folgten vier weitere zwischen 1988 und 1995 sowie etliche Gruppenausstellungen. Paul Klee ist in dieser Breite zum ersten Mal in Dortmund zu sehen.

Eine künstlerische Gegenüberstellung von Feininger und Klee – der „Malerfreunde am Bauhaus“ (Titel einer Museumsausstellung in Hamm und Würzburg 2009) – fand schon zu Lebzeiten in Ausstellungsdialogen statt, und so tritt dieses Galerie-Projekt durchaus in die Spuren der Kunstwelt der späten 1920er und frühen 1930er Jahre: In drei Doppelausstellungen wurden die Künstler in Deutschland bis 1932 und in mehreren Sammelausstellungen in den USA bis in die 40er Jahre gewürdigt. Zu diesem Zeitpunkt existierte das Bauhaus als Institution schon nicht mehr, Feininger und Klee waren beide in ihre Heimatländer zurückgegangen, aber sie blieben auch nach dieser Zeit in regem Kontakt. In der gemeinsam mit Kandinsky und Jawlensky gegründeten Ausstellungsgemeinschaft „Die blaue Vier“ veranstalteten sie selbst mehrere gemeinsame Ausstellungen in den USA. Mit einer transatlantischen Galerie-Kooperation schließt diese Ausstellung also wiederum an ein persönliches Anliegen der Maler selbst an: eine künstlerische Klammer zwischen den Kontinenten zu schaffen.

Charakteristisch für die beiden großen Expressionisten ist die „ungewöhnliche grafische Begabung“ (Uta Gerlach-Laxner, Katalog „Malerfreunde am Bauhaus“, 2009) und das Fundament der linearen Zeichnung in ihren Bildern. Gleichzeitig werden bei diesen Parallelen aber auch die ganz individuellen Herangehensweisen und Themen deutlich: Während Feininger konkrete Motive bearbeitet, lässt Klee das Abstrakte wirken, denn „… das Ding [ist] mehr […], als seine Außenseite zu erkennen gibt“, wie er selbst es einmal erklärte.

Die 53 ausgestellten Werke zeigen Gemälde und Papierarbeiten aus nahezu allen Schaffensperioden der Künstler. So ist etwa die „Rosa Wolke“ von 1928 repräsentativ für Feiningers Versuch, räumliche Weite und prismatische Farbflächen als subjektive Wahrnehmungen einzufangen. Darüber hinaus zeigen seine 36 Bilder in dieser Ausstellung karikaturistische Elemente, architektonische Themen, Einflüsse aus Kubismus und Formalismus, Licht und Schatten in seinen New Yorker Werken sowie immer wieder Segelboote und das Meer.

Dass diese Atlantik-überspannende Ausstellung einen besonderen Anspruch hat, wird nicht zuletzt auch am Katalog deutlich, der eher das Format eines Kunstbuches hat und sowohl wissenschaftlich als auch mit Zeitdokumenten aufbereitet ist. Der Text über Feininger stammt aus der Feder des Kunsthistorikers Wolfgang Büche, während ein Nachruf Feiningers über Paul Klee seinen Freund als Künstler beschreibt.

Insgesamt ist diese Ausstellung mit ihrer Werkschau der Künstler, die durchaus zur Geltung kommende persönliche Bezug der Künstler zueinander, mit ihrer Einordnung in das Kunstgeschehen dieses Bauhaus-Jubiläumsjahres und der über eine reine Ausstellung hinausgehende Würdigung der Künstler ein internationales Projekt, das Beachtung verdient. Oder, um es mit einem Ausdruck Feiningers über Klee zu sagen: „Absolutely splendid!“

 

Zu sehen in Dortmund vom 17.09. – 26.10.2019