Otto Piene

Otto Piene

Otto Piene (* 18. April 1928 in Laasphe; † 17. Juli 2014 in Berlin) war ein deutscher Künstler, der vor allem für die Etablierung von Licht-Kunst und Sky-Art bekannt geworden ist.

ZERO

„Die Welt ist rund und hat ein großes Talent für Ganzheit.“ Unter diesem von ihm selbst geäußerten Motto lässt sich Pienes künstlerisches Schaffen einordnen. Der 1928 in Laasphe geborene Künstler ging nach dem 2. Weltkrieg mit seinen Arbeiten völlig neue Wege, die vor allem unter der Idee der Einheit zwischen Mensch und Umwelt standen. So gehört die Einbindung aller in der Natur vorkommenden Elemente in seine Kunstwerke zu einem Spezifikum seines Œuvres. 1957 gründete er gemeinsam mit Heinz Mack die Künstlergruppe ZERO, in die er diese Ideen mit einbrachte. ZERO ist nicht nur als ‚Stunde Null‘ zu verstehen, sondern auch als Kunst des Übergangs und der steten Weiterentwicklung. Entsprechend begriffen sie ihre Kunst als Austausch und Environment. ZERO blieb kein deutsches Phänomen, sondern nahm Einfluss auf die internationale, aber vor allem europäische Nachkriegs-Avantgarde. Otto Piene entwickelte während der ZERO-Zeit seine berühmten Lichtballette sowie erste Rauchzeichnungen. 2008 gründete er gemeinsam mit Heinz Mack und Günter Uecker die ZERO foundation in seinem ehemaligen Atelier in Düsseldorf, um die Erforschung dieser Avantgarde-Bewegung in größerem Umfang zu ermöglichen.

Lichtkinetische Arbeiten

Mithilfe von Rasterfolien entwickelte Piene Anfang der 1960er Jahre Lichtkinetische Plastiken, die, obwohl teilweise aus Metall bestehend, durch ihre Perforierung und den Einsatz von Licht, eine große Leichtigkeit ausstrahlen, sodass sie treffend als Lichtballette bezeichnet werden. Dies trifft im Kern die Assoziation, die diese Kunstwerke anbieten: Obwohl sie einerseits eine starre Form haben, beginnen sie mit dem Licht und der Luft zu tanzen. Mit einer solchen Installation war Piene bereits 1964 auf der documenta 3 in einer Gemeinschaftsausstellung mit den anderen ZERO-Mitgliedern Heinz Mack und Günter Uecker zu sehen.

Rauchzeichnungen und Feuergouachen

Ebenfalls sehr früh entwickelte Piene Kunstwerke mit dem Element Feuer. Zunächst nahm er dabei die Rasterfolien aus seinen Lichtplastiken zu Hilfe und ließ durch die Perforierung Rauch auf Papier gleiten. Der abgesetzte Ruß bildete anschließend eine Zeichnung auf dem Papier. Piene experimentierte hierbei einerseits mit Element Feuer, andererseits weichte er damit die Grenzen der eigenen künstlerischen Identität auf: nicht mehr er allein war Urheber der Kunstwerke, sondern auch der Rauch, der sich seinen Weg durch die Perforierung bahnte. Später setzte Piene auch aktiv Feuer in seinen Papier- und Öl-Arbeiten ein, indem er das Fixativ oder die Farbe selbst anzündete. Bei diesen Arbeiten war vor allem die Unberechenbarkeit des Feuers der Faktor, der Pienes stetes Interesse an Übergängen aufzeigt: In einem kurzen Moment entschied sich dabei, ob das Papier zu einem Kunstwerk wurde oder ob es verbrennt. 1967 wurden seine Arbeiten in einer ersten Retrospektive im Dortmunder Museum Ostwall gezeigt.

Sky Art

Piene lebte ab den 1960er Jahren in den USA, wo er zunächst als Fellow am Centre for Advanced Visual Studies (CAVS), später als dessen Direktor arbeitete. Gemeinsam mit den Kolleg*innen und Studierenden des Instituts realisierte Piene weiterhin lichtkinetische Environments, entwickelte mit der Sky Art aber zudem Kunstwerke, die besonderen Fokus auf das Element Luft legten. So entstand z.B. zur Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele in München 1972 ein riesiger, mit Helium gefüllter Regenbogen. Auch an der documenta 6 nahm Piene 1977 gemeinsam mit dem CAVS teil.

Architektur

Die Ganzheitlichkeit von Pienes Kunstauffassung zeigt sich auch dadurch, dass er sich bisweilen als Architekt betätigte. Die von ihm 2007 gestaltete Landmarke Geleucht auf der Halde Rheinpreußen bei Moers ist ein Beispiel dafür, wie Pienes Interesse an Übergängen und den Elementen in einem Kunstwerk zusammenfindet.

Anlässlich zweier ihm gewidmeter Ausstellungen war Otto Piene 2014 in Berlin. Dort starb er während einer Taxifahrt. Posthum fand ein letztes Sky-Art-Event statt.

1944-1946 – Kriegsdienst, anschließend Kriegsgefangenschaft
1948-1950 – Kunststudium in München
1950-1953 – Fortsetzung des Kunststudiums in Düsseldorf
1952-1957 – Philosophiestudium in Köln
1951-1964 – Lehrer, später stellvertretender Direktor an der Modeschule in Düsseldorf
1957 – Gründung der Künstlergruppe ZERO gemeinsam mit Heinz Mack
1958-1961 – Mitherausgeber der ZERO-Magazine 1-3
1964 – Teilnahme zusammen mit den anderen Mitgliedern von ZERO an der documenta 3; Visiting Professor an der University of Pennsylvania
1967 – Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig; erste Retrospektive im Museum Ostwall, Dortmund
1968 – Fellow am Centre for Advanced Visual Studies (CAVS), Massachusetts

1974-1994 – Direktor des CAVS
1972 – Sky Art – Environment bei der Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele in München
1977 – Teilnahme an der documenta 6
1986 – Teilnahme an der Biennale São Paulo
1990 – Kuratoriumsmitglied des ZKM, Karlsruhe
1996 – Retrospektive im Kunstmuseum Düsseldorf
2008 – gemeinsam mit Heinz Mack und Günter Uecker Gründung der ZERO foundation in seinem ehemaligen Atelier an der Hüttenstraße in Düsseldorf; Preisträger für bildende Kunst der Kulturstiftung Dortmund


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Galerie Utermann, Silberstraße 22, 44137 Dortmund

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