Christian Rohlfs

Ausstellung: Christian Rohlfs. Düsseldorf, Galerie Flechtheim, 1919, Kat.-Nr. 1 / Christian Rohlfs. Gemälde, Graphik.

Hannover, 24. Sonderausstellung der Kestner-Gesellschaft, 1919, Kat.-Nr. 34 / Potsdamer Kunstsommer. Potsdam,

Orangerie, 1921, Kat.-Nr. 118 / Christian Rohlfs. Gemälde, Temperablätter, Zeichnungen und Graphik. Leverkusen,

Farbenfabriken Bayer AG; Essen, Museum Folkwang; München, Galerie Günther Franke; Karlsruhe, Staatliche

Kunsthalle; Lübeck, St. Annenmuseum; 1955/56, Kat.-Nr. 5 / Christian Rohlfs. Frankfurt a.M., Kunstkabinett Hanna

Bekker vom Rath, 1958, Kat-Nr. 10 / Christian Rohlfs. Baden-Baden, Erwin-Heinrich-Gesellschaft, 1958, Kat.-Nr. 10 /

Christian Rohlfs. Ölbilder, Tempera, Aquarelle, Graphik. Braunschweig, Haus Salve Hospes, 1958/59, Kat.-Nr. 15 /

Christian Rohlfs. Dortmund, Museum am Ostwall, 1959, Kat.-Nr. 30 / Christian Rohlfs. Heidelberg, Kunstverein, 1959,

Kat.-Nr. 7 / Christian Rohlfs. Düsseldorf, Kunsthalle, 1960, Kat.-Nr. 54 / Christian Rohlfs. Berlin, Haus am Waldsee,

1960, Kat.-Nr. 24 / Christian Rohlfs. Darmstadt, Kunsthalle am Steubenplatz, 1960, Kat.-Nr. 3 / Christian Rohlfs. Wien,

Akademie der Bildenden Künste, 1961, Kat.-Nr. 24 / Christian Rohlfs – und die Stadt Soest in seinem Werk. Ölbilder, Temperabilder, Graphik, ausgewählt von Wilfried Utermann. Soest, Wilhelm Morgner Haus, 1984, Kat.-Nr. 20 (s/w-Abb.)



Literatur und Abbildung: Paul Erich Küppers: Christian Rohlfs. In: Das Hohe Ufer. Hannover,

Jg. 1, Heft 5, 1919, S. 129





„Denn der König zu Babel wird sich an die Wegscheide stellen, vorn an den zwei Wegen, daß er sich wahrsagen lasse“, so lauten die Worte des Propheten Hesekiel (Hes 21.21). Warum Christian Rohlfs gerade diese über ein durchaus gewichtiges Ereignis berichtende Stelle aus dem Alten Testament begeistert und er die Szene wortwörtlich illustriert, wissen wir nicht. Vielleicht fasziniert ihn die sagenhafte Figur des Königs zu Babel und er stellt sich vor, wie dieser jugendliche Held, angetan mit königlicher Robe, sich auf den Weg macht, sein Reich zu sichern und das ihm anvertraute Volk zur festen Stadt Jerusalem zu führen. Wie er eben an einer Wegkreuzung zögert und sich entscheiden muss, welchem Orakel er Vertrauen schenkt: der etwas älteren, kopfbedeckten Frau oder der jugendlichen Ratgeberin? Wir wissen, wie bibelsicher der Künstler ist, er sich als schon betagter Künstler um 1910 aufmacht, um biblische Erzählungen und Gleichnisse auf den verwirrenden Wegen der Menschwerdung in seiner verständnisvollen, vielleicht leicht melancholischen Weise zu illustrieren. So gehört die prophetische Erzählung Hesekiels zu den aufregenden Kapiteln in der Geschichte des jüdischen Volkes: die Heimkehr aus der Gefangenschaft im Land der Stadt Babylon nach Jerusalem. Rohlfs inszeniert einen entscheidenden Moment der Prophezeiung ohne örtlichen Bezug, konzentriert sich auf das Zuhören, das spürbar innerliche Abwägen des jungen Mannes in der Diskussion mit den zwei unterschiedlich vorausahnenden Frauen. Der König, so kann man seine gestenreiche Haltung deuten, wägt die einzig richtige Wahl ab. In dieser so einfachen und zugleich klaren Schilderung lässt Rohlfs uns teilnehmen an der geheimnisvollen Begegnung auf dem verantwortungsvollen Weg des Königs.



Dr. Mario-Andreas von Lüttichau

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