Marc Chagall

Die bemerkenswerte Dualität von „Couple dans la nuit“ gibt einen Einblick in Chagalls Beziehung zum Göttlichen.
Die obere rechte Hälfte des Werks ist in seinem charakteristischen „Chagall-Blau“ gemalt, einer Farbe, die zu Chagalls Markenzeichen wurde. In diesem Blau sind die Figur eines Cherubs und ein Esel zu sehen, von dem oft angenommen wird, dass er seine Tochter Ida darstellt, sowie weitere schwebende Figuren.
Chagalls Interesse an religiösen Bildern wurde durch seine chassidische jüdische Erziehung in Witebsk geweckt und durch die katholische Ikonographie, die er während seiner Zeit in Frankreich entdeckte, erweitert. Diese Figuren repräsentieren seine Vorstellung von Himmel und Reinheit, wobei Chagall in diesem Werk andeutet, dass die reinste Liebe Gott und den eigenen Kindern vorbehalten ist.

Das leuchtende Rot im unteren Teil des Bildes symbolisiert die irdisch-menschliche Liebe. Das Paar, welches in tiefer Zuneigung zueinander gewendet ist, wird begleitet von einem schwebenden Engel über ihnen. Dieser vermittelt eine Andeutung von göttlichem Segen und zeigt, dass ihre Leidenschaft von einer höheren Macht gesegnet ist. Die Entgrenzung von Himmel und Erde durch die drei Gestalten ist für Chagall ein bewusstes Paradigma des Ursprungs der Menschheit aus dem Göttlichen heraus.

Die Ziege, ein Symbol für Chagalls jüdisches Erbe, ist vor allem in Verbindung mit der Rolle des Tieres bei der Verfolgung der Sünde zu sehen. In Chagalls Elternhaus wurde der Ziege an Jom Kippur ein rotes Band um den Hals gebunden, bevor sie in die Wildnis um Witebsk entlassen wurde. Es war diese Aktion, die die Sünde aus dem Haus trug und in Verbindung mit den hier dargestellten Liebenden als Wiedergutmachung ihrer Sünden gesehen werden kann.

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