Marc Chagall

Esquisse pour »Le boeuf écorché« ist der Ausgangspunkt für Chagalls bahnbrechendes Werk aus demselben Jahr, dem Gehäuteten Ochsen (Le boeuf écorché, 1947, Sammlung des Centre Pompidou in Paris). Der Ochse hatte für Chagall eine wichtige metaphorische Bedeutung, denn er verband damit Erinnerungen an den Schlachthof seines Großvaters und an seinen Onkel Neuch, der Viehhändler war. In seiner Jugend entwickelte Chagall eine unheimliche Faszination für das Schlachten von Tieren.

Später, als Künstler, begann er, Parallelen zwischen dem Schlachten von Tieren und rituellen Opfern zu ziehen. Sein erstes Atelier in La Ruche befand sich in der Nähe der Schlachthöfe von Paris, und es ist bekannt, dass er dort sagte: »Die Morgendämmerung bricht an. Irgendwo in der Nähe beginnen sie, den Rindern die Kehle durchzuschneiden, Kühe brüllen, und ich male sie.«

Der Ochse hängt kopfüber mit herausgestreckter Zunge und blickt auf die darunterliegende Stadt Witebsk. In der späteren Wiedergabe in Öl auf Leinwand hat sich das Motiv zu einem Ochsen entwickelt, der sein eigenes Blut aus einem Bottich trinkt. Diese surreale und unheimliche Szene kann als Metapher für Leid und Verlust gedeutet werden. In Chagalls Autobiografie wird der Tod einer Kuh, der er als Kind beiwohnte, als »nackt und gekreuzigt« beschrieben.

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