Marc Chagall

„Le grand visage“ ist ein kompositorisch vielfältiges Selbstporträt, das Chagalls charakteristischen Stil auf seine Gesten, Motive und Bildsprache reduziert, die von einer Kombination aus Kubismus, Fauvismus und Surrealismus beeinflusst sind.
In diesem Werk auf Papier taucht eine zentrale androgene Darstellung von Chagall auf, die durch zarte Wimpern und fließendes Haar gekennzeichnet ist. Diese Darstellung scheint ihn als Symbol für alle Künstler zu positionieren und ihn mit dem Akt der Malerei selbst in Verbindung zu bringen. Seine Identität wird jedoch durch eine Palette und drei Pinsel, die er in der Hand hält, verfestigt, wobei der Schriftzug CHAGALL“ verzerrt auf der Palette selbst erscheint.
Im Mittelpunkt von „Le grand visage“ steht das monumentale Selbstporträt, aber die breitere Komposition dient als visuelle Darstellung von Chagalls Gedankenwelt und zeigt seine charakteristischen Motive. Das „Über“-Motiv kreuzt diagonal das Gesicht des Künstlers, während in der oberen linken Ecke ein Fiedelspieler baumelt. Unten links ist Witebsk abgebildet, dessen ländliches Wesen durch einen gelben Esel und einen Mann mit einer Pfeife verkörpert wird, die ebenfalls in der Komposition auftauchen.
Wie der Künstler 1958 (etwa zur Zeit der Entstehung des Werks) erklärte: „Kunst ohne Liebe – ob wir uns nun schämen oder nicht, dieses bekannte Wort zu benutzen – eine solche plastische Kunst würde die falsche Tür öffnen.“ (zitiert in J. Baal-Teshuva, Hrsg., Chagall: A Retrospective, Westport, 1995, S. 179)
Die Essenz dieser Philosophie schwingt in „Le grand visage“ stark mit. Das Werk unterstreicht auf eindrucksvolle Weise die Liebe des Künstlers zur Malerei, zu seinen ikonischsten Motiven und zu seiner Erziehung in Witebsk.

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