Marc Chagall

Le sacrifice d’Isaac spiegelt Chagalls lebenslanges Interesse am jüdisch-christlichen religiösen Kanon wider. Die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak mit ihren Themen der Opferung und der elterlichen Liebe wurde von Chagall im Laufe seiner Karriere immer wieder aufgegriffen. In diesem Werk ist der Engel mit dem Ziegenbock erschienen, der anstelle von Isaak geopfert werden soll. Man erkennt die Freude Abrahams über die Tatsache, dass er seinen einzigen Sohn nicht töten muss. Er blickt auf einen Olivenbaum, der sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen religiösen Tradition ein Symbol des Friedens ist. Im Hintergrund schaut eine Frau von der Tür eines Hauses aus der Szenerie zu, vermutlich Abrahams Frau Sarah.

Die Ziege hat für Chagall eine doppelte Bedeutung, denn traditionell wird sie an Jom Kippur als Mittel zur Sündenvergebung verwendet. Ein rotes Band wird um die Ziege gebunden, und sie wird in die Wüste losgelassen, um die Sünden des Jahres fortzutragen. So ist auch Abrahams Gewand in einem leuchtenden Karmesinrot gehalten, während Isaak blass und nackt auf dem Altar liegt, was auf seine kindliche Unschuld hinweist, die von der aufgehenden Sonne erleuchtet wird. Die umgebende Landschaft ist eine vergleichsweise dunkle Fläche im Ton des »Chagall-Blau«, während Scharlachrot und das leuchtende Gold des Sonnenaufgangs von der linken oberen Ecke aus langsam über die Szene hereinbrechen und sie mit einer Hoffnung und Freude erfüllen, die die Erlösung Abrahams in letzter Minute ankündigt.

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Anfrage