Marc Chagall

„Nu allongé et chèvre, la nuit“ oder Liegender Akt und Ziege, bei Nacht zeigt Chagalls Interpretation des kanonischen liegenden Akts. Die von der Mondsichel beleuchtete Frau liegt starr auf dem Bett. Während Chagalls Akte oft Sinnlichkeit und pure Emotion ausstrahlen, ist dieser Akt fast leblos. Abgesehen von ihrer Körperlichkeit haben Chagalls Akte eine symbolische Bedeutung, da sie universelle Themen wie Liebe und Verletzlichkeit darstellen und gleichzeitig als autobiografische Elemente fungieren, indem sie seine persönlichen Erfahrungen und Beziehungen in seine Kunst einfließen lassen. Seine Akte existieren in einer traumhaften und fantastischen Welt, erscheinen oft schwerelos und sind mit anderen Elementen in seinen Kompositionen verwoben. Einige seiner immer wiederkehrenden Motive sind auch hier zu erkennen, wie z. B. der Blumenstrauß am Ende des Bettes, der Romantik und Schönheit symbolisiert, und daneben eine aufgehängte Ziege. Für Chagall waren Ziegen nicht nur ein Verweis auf seine Religion, insbesondere im Zusammenhang mit Opfern und Ritualen, vielmehr transzendiert seine Kunst oft das Gewöhnliche, und Ziegen werden in seinem Werk verwendet, um eine Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen darzustellen oder Wandlung und Transzendenz zu symbolisieren.
Die Kraft der satten Blautöne, mit denen dieses Gemälde koloriert ist, dominiert die Komposition. In den 60er Jahren experimentiert Chagall, inspiriert durch seine Arbeit mit Glasfenstern, weiter mit Farben und arbeitet erneut mit dominanten Farbtönen. In diesem Werk verwendet er leuchtende Blautöne, um Tiefe, Glanzlichter und Schatten zu erzeugen und gleichzeitig ein Gefühl von nächtlicher Verzauberung zu erzeugen. Chagall war nie auf einen einzigen modernistischen Stil festgelegt. In diesem Bild können wir einige fauvistische Techniken sehen, darunter seine gesättigten Blautöne und die vereinfachte Art und Weise, in der er Formen darstellt, so dass sich die Oberfläche des Bildes dazu eignet, zu erklären, wie Gouache manipuliert werden kann. Der blaue Hintergrund ist auch mit lockeren, schnellen, in mehrere Richtungen verlaufenden Pinselstrichen gefüllt, die die Arbeitsweise des Künstlers hervorheben. Der träumerische Eindruck des Bildes und der schlummernde Zustand des Aktes verdeutlichen zudem Chagalls fortgesetzte Erforschung des Autonomieanspruchs, den er beim Malen verfolgte.

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