Emil Nolde

Blumenbilder ermöglichen Emil Nolde die größtmögliche Freiheit, seinen Farbfantasien freien Lauf zu lassen. In ihnen kann der Künstler seine Ideen zur Farbe mit einem Höchstmaß an Abstraktion realisieren, ohne die Bindung an die Natur aufgeben zu müssen. Noldes Blumenbilder sind gleichsam Ideen mit lockerem Bezug zur Natur, eine immerwährende Grundlage in seinem Werk. Auch wenn das Thema dieser Bilder im Laufe der Jahre konstant geblieben ist, so ist doch jedes Blumenbild in seiner Aussagekraft völlig unterschiedlich. Der Mohn, die Tulpe, die Hyazinthe und andere Blumen − sie alle verkörpern nicht so sehr botanische Studien, sondern eine Stimmung zwischen einzelnen Blumen-Wesen, die wie Figuren im Blumengarten stehen und darauf warten, dem Künstler zu gefallen. Der üppigen Pracht der zarten Blütenblätter des empfindlichen Mohns oder der Tulpe möchte Nolde so nahe wie möglich kommen: Um seine Idee im Aquarell zu realisieren, erfasst er den Charakter der individuellen Pflanzen und interessiert sich für die Umsetzung von Farbe und von Licht in einer gewissen Unschärfe, um die Präzision der Blüten ausdrücklich zu vermeiden; Nolde möchte die Sphäre des Unangreifbaren und des Entmaterialisierten in die Ferne rücken. Bisweilen widerspricht sich Nolde selbst: Die Madonnenfigur ist ganz real und Bestand einer umfangreichen Sammlung von Devotionalien, die der Künstler über die Jahre zusammengetragen hat und die seine Blumen-Stillleben beleben.



Dr. Mario-Andreas von Lüttichau

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