Marc Chagall

Schon zu Beginn seiner Karriere erwies sich Chagall als meisterhafter Kolorist, der es verstand, Farben zu harmonisieren und zu kontrastieren, um sie zu einem wesentlichen Element seiner Werke zu machen. Doch erst in der zweiten Hälfte seines Lebens entfaltete sich sein Umgang mit Farben wirklich und erreichte in seiner Kunst seine volle Strahlkraft und Fülle.
In „Souvenir de rencontres à Vitebsk“ hat Chagall die Farbe in verschiedene Felder unterteilt, wobei er der Komposition erlaubte, diese Grenzen zu überschreiten, ähnlich wie bei Raoul Dufys Erforschung der „couleur-lumière“. Das Zusammenspiel von Farbe und Form erzeugt ein starkes Gefühl von zyklischer Bewegung und führt zu einer kraftvollen und lebendigen Komposition, die endlos erscheint.
In diesem Werk auf Papier verbindet Chagall gekonnt und auf charakteristische Weise eine reiche Palette von Bildern aus seinem persönlichen symbolischen Repertoire mit Elementen aus der Folklore. Die Motive, die diese Traumwelt bevölkern, tragen eine Vielzahl von visuellen Bezügen und Bedeutungen. Das ländliche Leben wird durch die rustikalen Behausungen dargestellt. Darüber hinaus gibt es auch starke religiöse Untertöne, die durch das Erscheinen einer Kirche und der Kreuzigung Christi oben rechts symbolisiert werden. Chagall betonte die Bedeutung der Darstellung Jesu und beschrieb sie als „Ausdruck der menschlichen, jüdischen Traurigkeit und des Schmerzes, für die Jesus steht“.
Chagall erklärte: „Die Tatsache, dass ich Kühe, Milchmädchen, Hähne und provinzielle russische Architektur als Ausgangsformen verwendet habe, liegt daran, dass sie Teil der Umgebung sind, aus der ich stamme und die zweifellos den tiefsten Eindruck auf mein visuelles Gedächtnis der Erfahrungen, die ich habe, hinterlassen hat.“
(zitiert in B. Harshav, Hrsg., Marc Chagall on Art and Culture, Stanford, 2003, S. 83)

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