Puppenstubenbilder - Gabriele Münter

Puppenstubenbilder

Provenienz:

Leonard Hutton Galleries, New York (dort erworben 1985)

Ahlers Collection, Nordrhein-Westfahlen

Franz Marc Museum, Kochel am See (Dauerleihgabe der ahlers collection, 2017-2025)

Gabriele Münter – Puppenstubenbilder (1912)

Miniaturen aus den Murnauer Jahren

Die vier Puppenstubenbilder von Gabriele Münter, entstanden 1912 während ihrer Murnauer Jahre, stellen eine außergewöhnliche Verdichtung ihrer bildnerischen Sprache im Umfeld des Blauen Reiters dar. Die kleinen Arbeiten auf Papier schuf Münter für ihre Nichte Annemarie als Miniaturfassungen eigener Gemälde.

Im Medium der Gouache auf dunklem Papier ausgeführt, nutzen die Werke ihr reduziertes Format bewusst, um die Intensität von Farbe und Form zu steigern. Der kleine Maßstab lädt zur konzentrierten Nahbetrachtung ein und erzeugt eine intime Wirkung, die im Kontrast zu Münters großformatigeren Leinwänden derselben Zeit steht.

Motiv und formale Verdichtung

Vertraute Motive aus Münters Œuvre – ein Blumenstillleben, eine Dorfgasse, eine Seeszene und ein nächtlicher Brunnen – erscheinen hier als geschlossene, in sich ruhende Tableaus. Die Kompositionen sind radikal vereinfacht und auf klare, prägnante Formen reduziert.

Die Farbe wird in breiten, unmodulierten Flächen aufgetragen und entfaltet eine unmittelbare, expressive Wirkung. Diese Reduktion auf Fläche und Kontur verweist auf Münters zentrale Rolle innerhalb des Kreises des Blauen Reiters. Wie Kandinsky, Jawlensky und Marc suchte sie nach einer Bildsprache, die über naturalistische Darstellung hinausgeht und Farbe als eigenständiges Ausdrucksmittel begreift.

Persönlicher Ausdruck und künstlerische Haltung

In den Puppenstubenbildern erreicht Münter dieses Ziel auf besonders persönliche Weise. Die Klarheit der Gestaltung verbindet sich mit einer bewusst gewählten kindlichen Unmittelbarkeit. Was zunächst naiv erscheinen mag, erweist sich als reflektierte ästhetische Entscheidung – im Einklang mit der Wertschätzung des Blauen Reiters für Volkskunst, Kinderzeichnungen und sogenannte „primitive“ Ausdrucksformen.

In ihrer gemeinsamen Präsentation verkörpern diese vier Arbeiten die experimentelle Offenheit, die die Künstlergruppe prägte. Im kleinen Format formulierte Gabriele Münter hier eine ebenso intime wie programmatische Vision moderner Malerei: eine Bildsprache, die innere Erfahrung sichtbar macht und Farbe als zentrales Ausdrucksmittel einsetzt.

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