Henry Moore (* 30. Juli 1898 in Castleford, Yorkshire; † 31. August 1986 in Perry Green, Hertfordshire) zählt zu den bedeutendsten englischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum seines Schaffens steht die menschliche Figur, die er in teils naturnahen, teils abstrakten Formen darstellt. Besonders seine monumentalen Skulpturen prägen die europäische Bildhauerei der Nachkriegszeit.
Ausbildung
Henry Moore wird am 30. Juli 1898 in Castleford in Yorkshire geboren. Bereits früh entwickelt er den Wunsch, Bildhauer zu werden. Zunächst fügt er sich jedoch dem Willen seines Vaters und lässt sich zum Lehrer ausbilden. Nach seiner Ausbildung arbeitet er ab 1915 als Junglehrer an seiner ehemaligen Schule in Castleford. 1916 tritt Moore in die britische Armee ein und nimmt am Ersten Weltkrieg teil. 1919 erhält er als Kriegsteilnehmer ein Stipendium und beginnt sein Studium am Leeds College of Art. Dort wird er 1920 der erste Vollzeitstudent für Bildhauerei und lernt die Bildhauerin Barbara Hepworth kennen, mit der ihn eine langjährige Freundschaft verbindet.
1921 erhält Moore ein Stipendium für das Royal College of Art und zieht nach London. Neben seinem Studium beschäftigt er sich intensiv mit den Sammlungen des British Museum und insbesondere mit außereuropäischer Skulptur. Nach seinem Abschluss beginnt er 1925 am Royal College of Art zu unterrichten.
London und die Avantgarde
1928 findet in der Warren Gallery in London Moores erste Einzelausstellung statt. Im folgenden Jahr heiratet er Irina Radetzky. In dieser Zeit entwickelt Moore zunehmend eine eigene Formensprache. Die menschliche Figur bleibt sein zentrales Thema, wobei insbesondere die liegende Figur zu einem wiederkehrenden Motiv seines Schaffens wird. Seine Skulpturen werden zunehmend abstrakter und sind häufig durch Öffnungen und Hohlräume geprägt.
1930 stellt Moore im Britischen Pavillon der Biennale von Venedig aus und schließt sich der Künstlervereinigung „7 and 5 Society“ an. Von 1932 bis 1939 leitet er die Bildhauerei-Abteilung der Chelsea School of Art. In den 1930er Jahren setzt er sich intensiv mit abstrakten und surrealistischen Ideen auseinander und kommt in Kontakt mit der europäischen Avantgarde. 1934 stellt er mit der Künstlergruppe „Unit One“ aus, 1936 beteiligt er sich an der „International Surrealist Exhibition“ in London.
Kriegsjahre
Nach der Beschädigung seines Londoner Ateliers durch einen Bombenangriff ziehen Henry und Irina Moore 1940 nach Perry Green in Hertfordshire, das zu ihrem dauerhaften Wohn- und Arbeitsort wird. Während der deutschen Luftangriffe beobachtet Moore Menschen, die in den Stationen der Londoner Underground Schutz suchen. Aus diesen Eindrücken entstehen seine sogenannten „Shelter Drawings“. 1941 wird Moore zum offiziellen Kriegskünstler ernannt. Während des Krieges konzentriert er sich zunächst überwiegend auf die Zeichnung, bevor er 1943 wieder verstärkt als Bildhauer arbeitet. Im selben Jahr findet in der Buchholz Gallery in New York seine erste Einzelausstellung außerhalb Großbritanniens statt.
Internationaler Durchbruch
Nach dem Zweiten Weltkrieg wächst Moores internationale Bekanntheit erheblich. 1946 zeigt das Museum of Modern Art in New York eine große Retrospektive seines Schaffens. Zwei Jahre später erhält Moore den Internationalen Preis für Skulptur der Biennale von Venedig. Es folgen zahlreiche Ausstellungen, öffentliche Aufträge und Auszeichnungen sowie Ehrendoktorwürden bedeutender Universitäten.
1951 richtet die Tate Gallery in London eine große Retrospektive aus. Zu seinen bedeutendsten öffentlichen Arbeiten zählt die monumentale „UNESCO Reclining Figure“, die 1958 vor dem UNESCO-Hauptsitz in Paris aufgestellt wird. 1965 folgt eine monumentale „Reclining Figure“ für das Lincoln Center for the Performing Arts in New York. Moores Verbindung von Figuration und Abstraktion macht ihn zu einem der international einflussreichsten Bildhauer seiner Zeit.
Späte Jahre
1963 wird Moore mit dem britischen „Order of Merit“ ausgezeichnet. Anlässlich seines 70. Geburtstags richtet die Tate Gallery 1968 eine weitere große Retrospektive aus. 1972 folgt eine umfangreiche Ausstellung im Forte di Belvedere in Florenz. 1974 eröffnet nach einer umfangreichen Schenkung des Künstlers das Henry Moore Centre in der Art Gallery of Ontario in Toronto.
1977 gründet Moore gemeinsam mit seiner Familie die Henry Moore Foundation, die der Förderung der bildenden Kunst und insbesondere der Bildhauerei sowie der Bewahrung seines künstlerischen Vermächtnisses dient. Auch im hohen Alter arbeitet Moore weiter und wird mit zahlreichen internationalen Ausstellungen geehrt. Henry Moore stirbt am 31. August 1986 im Alter von 88 Jahren in seinem Haus in Perry Green, Hertfordshire.
1898 – Am 30. Juli wird Henry Moore in Castleford, Yorkshire, geboren.
1915 – Abschluss der Lehrerausbildung und Tätigkeit als Junglehrer in Castleford.
1916/1918 – Militärdienst im Ersten Weltkrieg.
1919 – Studium am Leeds College of Art.
1920 – Erster Vollzeitstudent für Bildhauerei am Leeds College of Art.
1921 – Stipendium für das Royal College of Art in London.
1925/1931 – Lehrtätigkeit am Royal College of Art.
1928 – Erste Einzelausstellung in der Warren Gallery, London.
1929 – Heirat mit Irina Radetzky.
1930 – Teilnahme an der Biennale von Venedig im Britischen Pavillon. Mitglied der „7 and 5 Society“.
1932/1939 – Leiter der Bildhauerei–Abteilung der Chelsea School of Art.
1934 – Ausstellung mit der Künstlergruppe „Unit One“.
1936 – Beteiligung an der „International Surrealist Exhibition“ in London.
1940 – Umzug nach Perry Green, Hertfordshire. Beginn der „Shelter Drawings“.
1941 – Ernennung zum offiziellen Kriegskünstler.
1943 – Erste Einzelausstellung außerhalb Großbritanniens in der Buchholz Gallery, New York.
1946 – Große Retrospektive im Museum of Modern Art, New York.
1948 – Internationaler Preis für Skulptur der Biennale von Venedig.
1951 – Retrospektive in der Tate Gallery, London.
1955 – Ernennung zum Member of the Order of the Companions of Honour.
1958 – Aufstellung der „UNESCO Reclining Figure“ am UNESCO–Hauptsitz in Paris.
1963 – Verleihung des Order of Merit.
1965 – Aufstellung einer monumentalen „Reclining Figure“ am Lincoln Center for the Performing Arts, New York.
1968 – Große Retrospektive in der Tate Gallery anlässlich seines 70. Geburtstags.
1972 – Große Retrospektive im Forte di Belvedere in Florenz.
1974 – Eröffnung des Henry Moore Centre in der Art Gallery of Ontario, Toronto.
1977 – Gründung der Henry Moore Foundation.
1983 – Ausstellung im Metropolitan Museum of Art, New York.
1986 – Am 31. August stirbt Henry Moore in Perry Green, Hertfordshire.
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