Provenienz:
Privatsammlung, Frankreich (erworben bei der Versteigerung der Sammlung Jules Claretie, Paris, 1914)
Claude-Émile Schuffenecker war Maler, Sammler und Zeichenlehrer. Zu seinem weit verzweigten Netzwerk gehörten Künstler, Schriftsteller, Musiker, Kunsthändler und Kunstkritiker. 1884 war er an der Gründung der Société des Artistes Indépendants beteiligt und setzte sich intensiv mit den neuen künstlerischen Entwicklungen seiner Zeit auseinander. Das Porträt eines Mannes entstand 1885, in einer Phase der stilistischen Neuorientierung.
Im Halbprofil dargestellt, richtet der Dargestellte den Blick aus dem Bild heraus. Vor einem locker angelegten Hintergrund entwickelt Schuffenecker ein fein abgestimmtes Farbgefüge aus Grün-, Blau-, Rosa- und Ockertönen. Zwei leuchtend rote Blüten setzen einen markanten farbigen Akzent. Kurze und längere, parallel geführte Pinselstriche strukturieren Gesicht, Bart und Kleidung und verleihen der Oberfläche eine lebendige, leicht schimmernde Wirkung. Helle und dunkle Partien werden dabei weniger durch Hell-Dunkel-Kontraste als durch fein abgestufte Farbtöne modelliert.
Die Identität des Dargestellten ist bis heute nicht gesichert. Aufgrund von Schuffeneckers weit verzweigtem Netzwerk kommen mehrere Personen als Modell in Betracht; am ehesten dürfte es sich um den Maler Fernand Quignon handeln, der 1885 Schuffeneckers Nachbar in der Rue Boulard war. Eine eindeutige Zuordnung lässt sich bislang jedoch nicht treffen. Unabhängig davon dokumentiert das Porträt Schuffeneckers Auseinandersetzung mit den neuen malerischen Strömungen der 1880er Jahre und seine Hinwendung zu einer modernen Malweise.
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