Wassily Kandinsky

Werke

Biografie

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Wassily Kandinsky (*4. Dezember 1866 in Moskau; †13. Dezember 1944 in Neuilly-sur-Seine) war ein russisch-deutscher Maler, Mitbegründer der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ und Lehrer am Bauhaus. Er gilt als Erfinder der Abstraktion.


Künstlerischer Werdegang

Wassily Kandinskys Œuvre umfasst Arbeiten in Öl, Aquarelle, Druckgrafiken sowie Holzschnitte. Darüber hinaus verfasste er kunsttheoretische Schriften, insbesondere zu Form, Farbe und Abstraktion. Kandinsky hatte ein ausgeprägtes Interesse an Synästhesie und war höchstwahrscheinlich selbst Synästhetiker. Dieses neurologische Phänomen, bei dem Sinneseindrücke miteinander verschmelzen oder vertauscht sind, betroffene Personen z.B. Farben primär riechen, schmecken oder hören statt sie zu sehen, schlägt sich sowohl in Kandinskys theoretischen Arbeiten als auch in seinen Kunstwerken nieder.


Expressionismus

Kandinsky zog nach dem Abschluss seines Studiums der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie und Statistik in Moskau 1896 nach München und studierte dort Kunst, unter anderem in der Malerklasse von Franz von Stuck. Der akademische Kunststil stellte ihn jedoch nicht zufrieden, weshalb er in privaten Studien versuchte, seinen eigenen Stil zu finden. Diese frühen Arbeiten Kandinskys weisen in ihrer kräftigen Farbigkeit bereits Tendenzen zum Expressionismus auf. Dies verstärkte sich, als er 1903 die Künstlerin Gabriele Münter kennenlernte und mit ihr ein Haus in Murnau am Staffelsee bezog. Kandinsky, der sich schon vorher besonders auf Landschaftsmalerei spezialisiert hatte, wurde von der bayrischen Berglandschaft so sehr inspiriert, dass er in seinen Bildern immer ausdrucksstärkere Farben verwendete. Sowohl die Farben als auch die Formen waren vom Vorbild stark abweichend und verschmolzen miteinander. Damit bewegte sich Kandinsky weg von der jahrtausendelangen Funktion des Bildes als Abbild und hin zur Abstraktion. 1911 gründete er gemeinsam mit Franz Marc die Künstlervereinigung Der Blaue Reiter, der sich u.a. auch August Macke und Heinrich Campendonk anschlossen. Beflügelt von dem ebenfalls expressionistischen Stil seiner Künstlerkolleg*innen, experimentierte Kandinsky im Folgenden verstärkt mit der Abstraktion.


Abstraktion

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste Kandinsky als Russe und damit Kriegsfeind Deutschland verlassen. Er kehrte nach Moskau zurück, wo er seine großformatigen abstrakten Arbeiten weiterverfolgte. Seine abstrakten Gemälde, Grafiken und Aquarelle benannte er mit den aus der Musiktheorie entlehnten Begriffen „Impression“, „Improvisation“ und „Komposition“. Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde die Versorgungslage für Kandinsky und seine Familie in Moskau zusehends schlechter, weshalb er 1921 wieder nach Deutschland zurückkehrte. Dort wurde ihm von Walter Gropius ein Lehrstuhl am Staatlichen Bauhaus angeboten, den er von 1922 bis zur zwangsweisen Schließung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten 1933 innehatte. Die Ideen des Bauhauses machten sich auch in Kandinskys während dieser Zeit entstehenden Abstraktionen bemerkbar. Zeugten die Abstraktionen vorher von einer impulsiven Entgrenzung der Formen und Farben, nahmen nun die Linien und geometrischen Konstruktionen in seinen Kunstwerken zu.


Kunsttheorie

Kandinsky kam 1907 mit den theo- und anthroposophischen Lehren Rudolph Steiners in Berührung und beschäftigte sich zudem zeitlebens mit Musiktheorie. Besonders begeisterte ihn die Zwölftonlehre des Komponisten Arnold Schönberg, die ihn zu einigen abstrakten Bildern inspirierte. Er war überzeugt, dass alle Künste miteinander zusammenhängen und in stetigem Austausch stehen. Diese Gedanken hielt er in den theoretischen Schriften „Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere in der Malerei“ und „Punkt und Linie zu Fläche. Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente“ fest. Letztere Publikation bildet gewissermaßen eine Art Grammatik der Abstraktion.

Nachdem die Nationalsozialisten 1933 das Bauhaus geschlossen hatten, emigrierte Kandinsky mit seiner Frau in einen Vorort von Paris. Dort starb er 1944.

Vita

1885/1893 – Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie und Statistik in Moskau.

1892 – Heirat mit Anja Fedorowna Schemjakina.

1896 – Umzug nach München.

1897 – Studium der Kunst in München.

1900 – Malerklasse bei Franz von Stuck.

1901/1904 – Mitglied der Ausstellungsvereinigung Phalanx.

1903 – Beginn der Beziehung mit Gabriele Münter; Ausstellungen im Salon d’Automne in Paris und in der Berliner Secession.

1908 – Erster Aufenthalt in Murnau am Staffelsee mit Gabriele Münter.

1909 – Gründung der Neuen Künstlervereinigung München.

1911 – Bekanntschaft mit Franz Marc; Gründung der Künstlervereinigung Der Blaue Reiter.

1913 – Beteiligung an der Armory-Show in New York.

1914 – Trennung von Gabriele Münter und Rückkehr nach Moskau.

1917 – Heirat mit Nina Nikolajewna Andrejewskaja.

1919 – Direktor des Staatlichen Museums für Malkultur in Moskau.

1921 – Umzug nach Berlin.

1922/1933 – Lehrer am Staatlichen Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin.

1924 – Gründung der Ausstellungsgruppe Die Blaue Vier (Kandinsky, Klee, Feininger und Jawlensky).

1928 – Erhält die Deutsche Staatsbürgerschaft.

1933 – Verfolgungsbedingter Umzug nach Neuilly-sur-Seine.

1937 – Retrospektive in der Kunsthalle Bern.

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