Marino Marini

Marino Marini

Marino Marini (*27. Februar 1901 in Pistoia; † 6. August 1980 in Viareggio) war ein italienischer Bildhauer und Grafiker. Besonders bekannt wurde er für seine moderne Interpretation der Reiterstatuen.

Marinis künstlerische Repertoire reicht von Plastiken und Skulpturen über Ölmalereien bis hin zu Grafiken. Seine Themen waren Akte, Darstellungen von Artisten und fahrendem Volk sowie Reiter und Pferden. Letztere nehmen den größten Teil seines Œuvres ein und machten ihn vor allem im europäischen Ausland berühmt. Mit seiner expressiven Formensprache gehört Marini zu den bedeutendsten Bildhauern der Klassischen Moderne.

Skulptur und Plastik

Die plastischen Arbeiten von Marino Marini zeichnen sich besonders für seine Variationen bestimmter Themenkomplexe aus. Außerordentliche Bronzen entstanden rund um das Thema Pferd und Reiter. Hierbei erfand Marini das traditionelle römische Reiterstandbild neu. Während es zur römischen Kaiserzeit vor allem der Demonstration von Macht und Überlegenheit diente, interpretierte Marini es mit seiner expressiven Formensprache neu. Sowohl Pferde als auch Reiter scheinen in seinen frühen Bronzen die eigene Körperform zu sprengen und miteinander zu verschmelzen. Bereits 1935 erhielt Marini auf der II. Quadriennale in Rom den ersten Preis für sein plastisches Werk. Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges unternahm er mehrere Reisen nach Paris, wo er mit den Künstlern der Französischen Avantgarde in Kontakt kam. Aufgrund von Repressalien, denen Marini und seine Frau während des 2. Weltkrieges durch das faschistische Regime in Italien ausgesetzt waren, siedelten sie 1941 ins schweizerische Tessin um. Dort lernte Marini Alberto Giacometti, Fritz Wotruba und Germaine Richier kennen. Der künstlerische Austausch mit ihnen führte Marini nach dem Ende des Krieges zu einer anders gearteten Formensprache in seinen Plastiken. Darüber hinaus hinterließen die existenzielle persönliche Notlage sowie die Eindrücke der Kriegsauswirkungen in Europa einen starken Eindruck in seinem Werk. Nach seiner Rückkehr nach Mailand entstanden Reiterbronzen, die durch ihre grobe Ausführung die Kriegserfahrungen widerspiegeln. Die Dramatik der Darstellung, in denen die Pferde scheuen, sich aufbäumen, einknicken und die jeweiligen Reiter nahezu abwerfen, sind zum Teil nahezu abstrakt ausgeführt. Bisweilen bearbeitete Marini diese aus Holz oder Bronze hergestellten plastischen Arbeiten mit Farben. Mit solchen Reiterstauen nahm Marini 1955 an der ersten documenta teil. Auch bei der documenta II 1959 war er vertreten, diesmal aber auch mit seinen Gemälden und Grafiken. Die Partizipation bei den documenta-Ausgaben I-III sowie auch die Tatsache, dass seine erste Einzelausstellung in den USA und nicht in Italien stattfand, trugen dazu bei, dass er vor allem im internationalen Ausland bekannt wurde, lange Zeit aber nicht in seiner Heimat.


Arbeiten in Öl und Grafiken

Einen nicht unwesentlichen von Marinis Œuvre machen seine Gemälde und Grafiken aus. Er setzte sich dabei in leuchtenden Farben und mit abstrakter Formensprache ebenfalls mit dem Themenkomplex der Pferde und ihrer Reiter auseinander, aber auch poetische Reflexionen auf die Zirkus- und Artistenwelt sind Teil seiner Arbeiten in Öl und seiner Lithographien. Der Tanz bildet dabei ein zentrales Motiv. Seine meistens als Radierung ausgeführten Aktzeichnungen sind hingegen zurückhaltender und vermitteln eine Nähe zu Aristide Maillols Frauendarstellungen.

Bereits 1973 wurde Marino Marini ein Museum in Florenz gewidmet. 1980 verstarb der Künstler im toskanischen Viareggio.


1917 – Studium der Malerei und Bildhauerei in Florenz
1928 – Erster Aufenthalt in Paris
1929-1940 – Dozentur an der Villa Reale in Monza
1938 – Heirat mit Mercedes Pedrazzini
1940 – Wechsel an die Accademia di Brera
1941-1946 – Aufenthalt im Tessin
1950 – erste Einzelausstellung in den USA
1955/1959/1964 – Teilnahme an documenta I-III
1973 – Eröffnung des Marini-Museums in Florenz

© Copyright Galerie Utermann 2022

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Galerie Utermann, Silberstraße 22, 44137 Dortmund

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