Werkverzeichnis: Heiderich 767
Provenienz: Galerie Nierendorf, Berlin
Die Zeichnung ist eine Vorstudie zu dem Gemälde „Zirkusszene“, 1913, (Heiderich 489) das sich heute im Besitz des Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid, befindet.
Die Welt der Bühne, des Zirkus und des Varietés gehörte vor dem Ersten Weltkrieg zu den bevorzugten Bildthemen der künstlerischen Avantgarde. Auch August Macke, einer der zentralen Vertreter des deutschen Expressionismus, widmete sich dem Motiv des Zirkus in mehreren bedeutenden Arbeiten. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das Gemälde Zirkusszene (1913), heute in der Sammlung des Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid.
Die Kohlezeichnung Gestürzt von 1911 ist eine direkte Vorstudie zu diesem Gemälde und dokumentiert einen entscheidenden Schritt im Entstehungsprozess der späteren Komposition.
Die Zeichnung zeigt eine Szene im Zirkusrund unmittelbar nach einem Reitunfall. Zwei – im späteren Gemälde drei – Akrobaten kümmern sich um eine Kunstreiterin, die in der Manege gestürzt ist. Ihr Körper wird aus dem Rund getragen, während das Pferd, das den Unfall verursacht hat, zugleich weggeführt wird.
Die Haltung der zentralen Figur sowie der sie stützenden Assistenzfiguren erinnert an eine klassische Pietà-Darstellung und verleiht der Szene eine unerwartet sakrale Dimension. Im Vordergrund wendet sich eine gebeugte, im Schatten liegende Gestalt vom Geschehen ab. Als Repoussoirfigur lenkt sie den Blick des Betrachters gezielt auf die dramatische Hauptszene im Zentrum.
Die wesentlichen Figuren und Kompositionslinien sind in der Zeichnung bereits klar angelegt. Zwei Jahre später werden sie im Gemälde zu einer komplexen, farbintensiven Bildlösung ausgearbeitet. Zwischen Zeichnung und Gemälde entstand 1911 zudem eine aquarellierte Version der Szene, in der Macke Details vereinfachte und die Komposition weiter präzisierte.
Als Vorstudie konzentriert sich Gestürzt auf die Klärung von Bewegung, Körperhaltung und räumlicher Anordnung. Mit knappen Mitteln erfasst Macke Kontur und Dynamik der Figuren und verdichtet die Szene durch gezielte Hell-Dunkel-Kontraste.
Obwohl als Vorstudie konzipiert, besitzt die Kohlezeichnung eine starke autonome Wirkung. Die reduzierte Bildsprache, die präzise Linienführung und die dramatische Verdichtung des Moments verleihen der Arbeit den Charakter eines in sich geschlossenen Kunstwerks.
Gestürzt bietet somit nicht nur wertvolle Einblicke in die Entstehung von Mackes späterer Zirkusszene, sondern steht zugleich exemplarisch für seine Auseinandersetzung mit dem modernen Zirkusmotiv im Kontext der expressionistischen Avantgarde.
Dienstags-freitags 10-16 Uhr und nach Vereinbarung
An gesetzlichen Feiertagen bleibt die Galerie geschlossen.
Galerie Utermann
Silberstraße 22
44137 Dortmund
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