Paula Modersohn-Becker

Rückseitig oben links von Otto Modersohn mit Bleistift bestätigt: „Dieses Bild kommt von Paula Modersohn-Becker 17.IV.20



Das Doppelgemälde ist in einem besonderen Jahr entstanden, da 1901 für die Künstlerkolonie in Worpswede das Jahr der Hochzeiten war: den Anfang machten Martha und Heinrich Vogeler. Im April gaben sich Clara und Rainer Maria Rilke das Ja-Wort und am 25. Mai heirateten Paula und Otto Modersohn. Nach einer ausgiebigen Hochzeitsreise beginnt eine Phase der gegenseitigen Inspiration und arbeitsintensiven Zeit: über 200 Gemälde entstehen in den Jahren 1901 bis 1902 von Paula Modersohn-Becker.

Die Sehnsucht nach der Großstadt blieb jedoch bei Paula und so reiste sie im Frühjahr 1903 und im Februar 1905 erneut nach Paris. Die Weltoffenheit und Kunstsinnigkeit der Metropole hatten es ihr angetan. Sie lernte in der Académie Colarossi und besuchte die Museen und Galerien. Sie war begeistert, von den vielen Künstlern, die sie dort sehen konnte: ganz besonders angetan war sie von Paul Gauguin und der Künstlergruppe Nabis, der sie sich verbunden fühlte.





Als Paula Modersohn 1898 das erste Mal nach Worpswede kam, wusste sie nicht, wie sehr diese Landschaft ihr Leben und Schaffen prägen würde. 1901 ehelichte sie den dort ansässigen Künstler Otto Modersohn und trug fortan den Namen Modersohn-Becker. Im selben Jahr entstand auch das eindrucksvolle Gemälde „Kinder vor Bauernhaus“ (Verso: „Birkenstämme und Haus“). Nach einer ausgiebigen Hochzeitsreise begann eine arbeitsintensive Zeit voll der gegenseitigen Inspiration des Paares: über 200 Gemälde entstanden in den Jahren 1901 bis 1902 von Paula Modersohn-Becker, mit maßgeblichen Motiven von Mensch und Landschaft in und um Worpswede. Besonders die Bauernkinder, ob versunken ins Spiel, alleine, oder Tiere hütend, faszinierten die Künstlerin. Gemeinsam vor einem Bauernhaus stehend und doch jedes Kind für sich isoliert, skizzierte Modersohn-Becker hier ungeschönt und unglaublich präzise die Dynamik zwischen den Kindern, die auf etwas zu warten scheinen. Die eingefangene Momentaufnahme huldigt gekonnt dem Idyll des Dorf lebens, ohne dies zu beschönigen.



Rückseitig findet sich ein gänzlich anderes Motiv, welches jedoch ebenso typisch für die Künstlerin ist: die Birke. Die filigran schattierten Stämme richten sich gen Himmel und lassen im Querformat keinen Raum mehr für die Baumkrone – die Stämme entwachsen also dem Bild. Die lichte Bauminsel gibt im Hintergrund den Blick frei auf sanfte Hügel und ein schlichtes Bauernhaus. Durch die bedeckte, von Brauntönen dominierte Farbpalette der Landschaft wirkt das eigentlich zarte Kolorit des Himmels überraschend intensiv und lässt die Wolken förmlich aufreißen.

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