Orchideen-Stillleben mit grüner Schale - Max Beckmann

Orchideen-Stillleben mit grüner Schale

Werkverzeichnis: Göpel 628

Provenienz:

Atelier Max Beckmann

Sammlung Erhard Göpel, Berlin/München (1943 vom Vorherigen erworben)

Kunstverein Düsseldorf (1950 erworben)

Bayer AG, Leverkusen (1951 vom Vorherigen erworben)

Max Beckmann – Orchideen-Stillleben mit grüner Schale (1943)

Die Exiljahre von Max Beckmann in Amsterdam zählen – trotz eingeschränkter Ausstellungs- und Arbeitsmöglichkeiten – zu den produktivsten Phasen seines Schaffens. Nach seiner Emigration aus Deutschland im Jahr 1937, ausgelöst durch die Diffamierung seiner Kunst als „entartet“, den Verlust seines Frankfurter Lehrauftrags sowie den Ausschluss aus dem offiziellen Ausstellungsbetrieb, entwickelte Beckmann im niederländischen Exil eine neue künstlerische Konzentration.

In dieser Zeit gewann das Stillleben im Werk von Max Beckmann zunehmend an Bedeutung. Das 1943 entstandene Gemälde Orchideen-Stillleben mit grüner Schale gehört zu den Hauptwerken dieser Schaffensphase und ist ein eindrucksvolles Beispiel für Beckmanns malerische Verdichtung von Form, Farbe und Raum.

Komposition und Bildsprache

Wie seine Figurenbilder folgt auch dieses Stillleben den charakteristischen formalen Prinzipien Beckmanns. Kräftige schwarze Konturen strukturieren die Komposition: Eine Vase mit leuchtenden Orchideen und eine markante grüne Schale stehen auf einem mit Tuch bedeckten Tisch.

Die weit nach links ausgreifenden Blüten bestimmen die dynamische Bewegung des Bildes, während ein großer Spiegel im Hintergrund – ohne reale Spiegelung – als eigenständiges, farblich abgesetztes Bildfeld fungiert. Die intensiven Gelb- und Rottöne der Orchideen kontrastieren mit den kühlen Grün- und Blauviolettnuancen von Schale, Spiegel und Wand.

Die grüne Schale bildet einen ruhenden Pol innerhalb der Komposition, dem das bewusst aus dem Gleichgewicht gebrachte Blumenarrangement spannungsvoll gegenübersteht. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen Stabilität und Bewegung – ein zentrales Gestaltungselement im Œuvre Beckmanns.

Entstehungskontext und persönliche Widmung

Der Entstehungskontext des Werkes ist außergewöhnlich gut dokumentiert. Am 12. Februar 1942, seinem 58. Geburtstag, erhielt Max Beckmann von seiner Frau Quappi eine grüne Schale und Blumen als Geschenk. Am 1. Februar 1943 entwarf er das Stillleben mit grüner Schale, und am 5. Februar 1943 – dem Geburtstag seiner Frau – vermerkte er die Arbeit an dem Gemälde in seinem Tagebuch.

Diese persönliche Dimension verleiht dem Werk eine zusätzliche biografische Tiefe innerhalb von Beckmanns Exilzeit.

Provenienz und kunsthistorische Bedeutung

Auch die Provenienz des Gemäldes unterstreicht seine kunsthistorische Relevanz. Das Werk wurde von Erhard Göpel, einem engen Vertrauten und bedeutenden Förderer Beckmanns, erworben. Bereits 1951 gelangte es in die Sammlung der Bayer AG – ein bemerkenswert früher Ankauf, insbesondere vor dem Hintergrund der sich im Nachkriegseuropa zunehmend etablierenden abstrakten Strömungen.

Damit steht das Gemälde nicht nur exemplarisch für Beckmanns Stillleben der 1940er Jahre, sondern auch für die frühe institutionelle Anerkennung seines Werkes in Deutschland.

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