Gabriele Münter

Ausstellungen: Selection for Collectors. Columbus, Columbus Gallery of Fine Arts, Oktober 1965
Gabriele Münter. New York, Leonard Hutton Galleries, März-April 1966
German Expressionism. Portland, Portland Museum of Art, März-April 1970
Dr. Isabelle Jansen, Gabriele Münter-und Johannes Eichner-Stiftung, hat die Echtheit des Werks bestätigt (19. Mai 2010).
Die Arbeit wird in das Werkverzeichnis der Gemälde der Gabriele Münter- und Johannes Eichner Stiftung aufgenommen (Nachlass-Nr. L-122.)
Nachdem sie lange nur als Frau an der Seite Wassily Kandinskys bekannt war, erfährt Gabriele Münter seit neuerer Zeit die Anerkennung als eine der führenden Künstlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts und wird mit umfassenden Retrospektiven, darunter im Leopold Museum in Wien, gewürdigt. Zusammen mit der Malklasse Kandinskys reiste sie 1902 nach Kochel, wo erste Arbeiten unter freiem Himmel entstanden. Dort intensivierte sich die Beziehung von Lehrer zu Schülerin erstmals. In den folgenden Jahren der Partnerschaft unternahmen sie gemeinsam viele Reisen, unter anderen nach Tunis (Winter 1904/05), Rapallo (Winter 1905/06) und nach Sèvres bei Paris (1907). Angeregt durch die Pariser Schule verfeinert besonders Münter ihre Maltechnik – hingehend zu einem pastosen, gespachtelten Farbauftrag.
Während Entdeckungstouren des Münchner Umlandes 1908 stießen Münter und Kandinsky auf den kleinen Ort Murnau, in dem sie sich noch im selben Sommer mit den Kolleginnen und Kollegen Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin einige Wochen aufhielten und gemeinsam arbeiteten. Sie schreibt im Nachhinein: „Die erste Studienzeit dort, im Spätsommer 1908, war ich voll von Bildern des Ortes und der Lage und warf sie hin auf Pappen 41 × 33 cm. Immer mehr erfasste ich die Klarheit und Einfachheit dieser Welt.“ 1
Gabriele Münters „Rote Wolke mit Haus“, in dem oben genannten Maß auf Karton gefertigt, veranschaulicht eindrücklich, wie intensiv sich die Aufenthalte in der Ortschaft Murnau auf ihren künstlerischen Stil ausgewirkt haben. 1909 erwarb Münter dort ein Haus, das, bedingt durch ihren Lebensgefährten Kandinsky, schnell „Russen-Haus“ genannt wurde. In Zeiten intensiver Schaffenskraft inspirierten sie sich gegenseitig und erarbeiteten einen breiten, flächigen und schnellen Pinselstrich mit bunter Farbpalette. Die mächtige Wolke über dem Haus dynamisiert die ansonsten ruhige Landschaft und poussiert in ihrer Farbgewalt mit dem dichten Grün des Umlands. Die Hinwendung zum Expressionismus und die Steigerung des Inhalts auf die Deutungsebene werden hier deutlich. Man erkennt den Maluntergrund hinter dem Haus und merkt bei Ansicht des Werks schnell, wie sicher und kühn das Arbeitstempo Münters zu dieser Zeit gewesen sein muss. An der Schwelle zu einem neuen, ganz eigenen Stil erweist sich das Gemälde in seiner Strahlkraft als außerordentliches Zeugnis von Gabriele Münters künstlerischer Verselbstständigung.
1 Friedel, Helmut; Hoberg, Annegret: Gabriele Münter 1877–1962. München, 1992, S. 31.

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Anfrage