Abstrakter Kopf: September - Alexej von Jawlensky

Werkverzeichnis:

The Alexej von Jawlensky Archive, Catalogue Raisonné, Vol. II, Nr. 1272

Das Werk ist in Jawlenskys sogenanntem Cahier Noir auf Seite 18 registriert.

Provenienz:

Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Hofheim i. T.

Privatsammlung Deutschland (1952 vom Vorgenannten erworben)

Privatsammlung Berlin (1984 vom Vorgenannten erworben, Wolfgang Ketterer, München)

Alexej von Jawlensky – Abstrakter Kopf: September (1927)

Abstrakter Kopf: September von 1927 zählt zu den zentralen Werken aus der Wiesbadener Schaffenszeit von Alexej von Jawlensky. Das Gemälde gehört zur berühmten Serie der „Abstrakten Köpfe“, an der der Künstler zwischen 1918 und 1935 arbeitete.

Das Werk ist im sogenannten Cahier Noir – dem 1934 von Jawlensky und seiner Assistentin Lisa Kümmel erstellten Werkarchiv – auf Seite 18 verzeichnet. Bereits 1928 wurde der großformatige Kopf in der Galerie Neue Kunst Fides in Dresden ausgestellt. 1929 folgte die Präsentation in der Ausstellung der „Blauen Vier“ in der Galerie Ferdinand Möller in Berlin, zu deren Eröffnung Jawlensky persönlich anreiste.

Die „Abstrakten Köpfe“ als moderne Ikonen

Die Serie der Abstrakten Köpfe gilt als Schlüsselwerkgruppe innerhalb des europäischen Expressionismus. Jawlensky löste sich hier konsequent vom individuellen Porträt und überführte das menschliche Antlitz in ein streng geometrisch geordnetes Zeichensystem.

Diese Werke lassen sich als moderne, spirituell aufgeladene Ikonen verstehen – Bilder zur kontemplativen Betrachtung. Wiederholung, Variation und innere Ordnung treten an die Stelle psychologischer Individualisierung. Jawlensky entwickelte ein festes Kompositionsschema, das er durch differenzierte und stets neu kombinierte Farbklänge variierte.

Form, Farbe und Komposition

Abstrakter Kopf: September folgt diesem reduzierten Formenvokabular in besonders konzentrierter Weise. Wangen und Kinn sind durch eine große U-Form zusammengefasst, während Nase und Augenbrauen durch schmale, rechtwinklig aufeinandertreffende Linien markiert sind. Der Mund erscheint als horizontale Linie, die Augen sind auf leicht gebogene Striche reduziert.

Der Bildraum wird durch klar voneinander abgegrenzte, ruhige Farbflächen strukturiert. Kühles Blau steht in Beziehung zu leuchtendem Rosé, Apricot zu sattem Grün. Kräftige Konturlinien verbinden die Farbpartien zu einer geschlossenen, ausgewogenen Gesamtkomposition.

Eine kleine Sonne im rechten Bildbereich belebt die Komposition: Sie taucht die obere Bildhälfte in warmes Licht, während der untere Bereich im Schatten verbleibt. Dieses Wechselspiel von Licht und Dunkel verstärkt die innere Spannung der Darstellung.

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