Willi Baumeister

Heinz Rasch in: Willi Baumeister 1859-1955, Kunst- und Museumsverein, Wuppertal, 1959, S. 16-17

„(…) So entdeckt Baumeister 1938 die schon 20 Jahre früher vom Russen Malevitch gemalten fliegenden Formen. Aus seinen Figuren werden tropfen- und nierenförmige Ideogramme. Und hier setzt seine 2. Periode ein, die der reifen Meisterschaft, in der Baumeister seine Unabhängigkeit, seinen einmaligen unverwechselbaren Malstil findet. Die große und entscheidende Wandlung trifft zusammen mit dem Beginn seiner fast 7 Jahre währenden Tätigkeit in Wuppertal. (…) Abgeschlossen von der Kunstproduktion der Umwelt, auch des Auslandes, entstehen hier nun Baumeister’s völlig eigene und selbständig inspirierte Werke. Am Anfang stehen die Bilder Urpflanzenreich und Urtierreich. Weitere Anregungen geben die Felszeichnungen der Steinzeit. (…) Die Kunst der Naturvölker kommt hinzu. Dann folgen früh-babylonische, ägyptische und griechisch-archaische Elemente und Ostasien. Dazu kommt das Studium der Stoffbildung und der Modulation.(…)


Diese Bilder seiner 2. großen und letzten Periode sind genau so wie die Bilder der ersten Periode eine unmittelbare Aussage über ihre Zeit. Als der Krieg zu Ende war und der Blick wieder über die Grenzen schweifen konnte, sahen wir, daß Baumeister, ohne etwas von den Entwicklungen der westlichen Welt zu wissen, mit nachtwandlerischer Sicherheit die gleichen Standpunkte bezogen hatte. Seine Bilder sind gekennzeichnet durch Schwebeformen, Dynamik, insulare Gebilde, ganz analog der Welt des Verkehrs in der Luft und auf den Autobahnen, der Punkthäuser und der fließenden organischen Linien von Räumen und Geräten.“

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