Mariage au grand bouquet - Marc Chagall

Mariage au grand bouquet

Provenienz: Nachlass des Künstlers

Marc Chagall – Mariage au grand bouquet

Mariage au grand bouquet zählt zu den bedeutenden Werken im Spätwerk von Marc Chagall und vereint zentrale Themen seines Œuvres: Liebe, Erinnerung, jüdische Tradition und die poetische Bildwelt seiner Heimatstadt Witebsk. Wie der Titel bereits andeutet, steht ein großer Blumenstrauß im Mittelpunkt der Komposition, die ein Paar während einer Hochzeitszeremonie zeigt.

Auf der rechten Bildseite stehen Braut und Bräutigam eng beieinander unter einer roten Chuppah – dem Baldachin jüdischer Hochzeitsrituale, der symbolisch für das zukünftige gemeinsame Haus des Paares steht. Unverkennbar repräsentieren die beiden Marc Chagall und seine erste Frau Bella Rosenfeld, die 1915 heirateten. Ihre Geschichte begann in Witebsk und mündete in nahezu drei Jahrzehnte gemeinsamen Lebens. Bellas Tod im Jahr 1944 traf den Künstler zutiefst; doch auch in seinem Spätwerk blieb sie eine zentrale Inspirationsquelle. Das Motiv des Hochzeitspaares ist somit nicht nur ein religiöses Symbol, sondern zugleich Ausdruck persönlicher Erinnerung und lebenslanger Verbundenheit.

Darüber hinaus verweist das Thema auf eine Episode aus Bellas Memoiren. Darin schilderte sie lebhaft eine Hochzeit ihrer Kindheit in Witebsk und beschrieb die Braut als „wie eine helle Wolke […] vor allem in einem langen weißen Kleid, das wie etwas Lebendiges über den Boden schwebte, das Ganze von einem luftigen Schleier bedeckt. Durch ihn hindurch, wie durch Glas, schien die Braut selbst weit weg zu sein“ (zitiert nach S. Compton, S. 222). Diese poetische Erinnerung findet in Chagalls Bildsprache eine visuelle Entsprechung.

Ikonografie und Bildkomposition

Die freudigen Feierlichkeiten einer Hochzeit in Witebsk werden durch einen reich gedeckten Tisch mit Wein und Früchten belebt, die Überfluss und Festlichkeit symbolisieren. Links neben dem Tisch steht ein kleiner Esel – eine zärtliche Anspielung auf Chagalls Tochter Ida, die er liebevoll „kleiner Esel“ nannte.

Die in Grautönen gehaltene Menschenmenge geht fließend in die zurückweichenden Häuser über und verbindet Figur und Architektur zu einer traumgleichen Einheit. Die kreisrunden Köpfe der zahlreichen Gäste erscheinen zugleich als dekoratives Motiv auf der weißen Vase – ein nahtloser Übergang vom Menschlichen zum Gegenständlichen, den Chagall mit großer künstlerischer Raffinesse gestaltet.

Der üppige Blumenstrauß mit violetten, gelben, weißen und roten Blüten fügt sich harmonisch in die Szene ein und steht exemplarisch für die floralen Motive, die Chagalls Spätwerk prägen. Farbe, Erinnerung und Symbol verschmelzen zu einer Komposition, in der persönliche Biografie und universelles Festmotiv untrennbar miteinander verbunden sind.

Kunsthistorische Bedeutung

Als Werk aus Chagalls später Schaffensphase vereint Mariage au grand bouquet zentrale Elemente seiner Bildwelt: die Reminiszenz an Witebsk, die Feier jüdischer Traditionen, die poetische Überhöhung des Alltäglichen und die lebenslange Hommage an Bella.

Das Gemälde steht damit exemplarisch für Chagalls Fähigkeit, individuelle Erinnerung in eine zeitlose, symbolisch aufgeladene Bildsprache zu überführen – ein wesentliches Merkmal seines Beitrags zur Kunst des 20. Jahrhunderts.

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