Provenienz:
Atelier des Künstlers, Davos (bis zu dessen Tod 1938)
Ernst Ludwig Kirchners Witwe Erna Kirchner (bis zu deren Tod 1945)
Kirchner Nachlass 1945 bis heute (von 1946 bis 1954 als Depositum im Kunstmuseum Basel, ab 1954 Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, ab 2002 dessen Nachfahren)
Ausstellungen/Literatur:
Ernst Ludwig Kirchner: Photoalbum II, Photo 173
Donald E. Gordon: Ernst Ludwig Kirchner. Mit einem kritischen Katalog sämtlicher Gemälde, München/Cambridge (Massa.), 1968, S. 106, 334, Kat.-Nr. 415, Abb. S. 334
Volker Wahl: Ernst Ludwig Kirchner und Jena – Ein Beitrag zur Biographie des Künstlers anlässlich seines 100. Geburtstags, Berlin, 1980, S. 481
Ernst Ludwig Kirchner – Von Jena nach Davos. Ausstellung zum 90. Gründungsjubiläum des Jenaer Kunstvereins, Stadtmuseum Göhre, Jena, 1993-1994, Kat.-Nr. 7, Abb. S.128 (nicht ausgestellt)
Volker Wahl: Von Jena nach Davos – Stationen eines Künstlerlebens, in: Ernst Ludwig Kirchner – Von Jena nach Davos. Ausstellung zum 90. Gründungsjubiläum des Jenaer Kunstvereins, Stadtmuseum Göhre, Jena, 1993, S. 21-39, S. 24
Thomas Röske: Dokumente einer Freundschaft – Botho Graef und Hugo Biallowons auf Bildern Ernst Ludwig Kirchners, in: Ernst Ludwig Kirchner – Von Jena nach Davos. Ausstellung zum 90. Gründungsjubiläum des Jenaer Kunstvereins, Stadtmuseum Göhre, Jena, 1993, S. 40-48, S. 43-44
Ernst Ludwig Kirchner, Fondazione Antonio Mazzotta, Mailand, 2002, Kat-Nr. 62, Abb. S.103
1914! Lavanguardia y la Gran Guerra, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid, 2008-2009, Kat.-Nr. 115, Abb. S. 242
Sharon Jordan: Philosophers, Artists and saints: Ernst L. Kirchner and Male Friendship in Paintings, 1914-1917, The City University of New York, 2009, Abb. S. 329
Ernst Ludwig Kirchner, Fundación MAPFRE, Madrid, 2012, Kat.-Nr. 64, Abb. S. 175
Der ewige Wanderer – Henry van de Velde in Jena, Städtisches Museum, Jena, 2013, Kat.-Nr. I/8, Abb. S. 143
Weltenbruch: Die Künstler der Brücke im Ersten Weltkrieg. 1914-1918, Brücke-Museum, Berlin, 2014, Kat.-Nr. 82, Abb. S. 74
Es gibt nur ein Programm: Freiheit! Kirchner, Nolde, Heckel, Schmidt-Rottluff, Amiet und Hodler. Zum 100. Todestag von Botho Graef, Kunstsammlungen, Jena, 2017, Kat.-Nr. 59, Abb. S. 82
Grossstadtrausch / Naturidyll. Kirchner – Die Berliner Jahre, Kunsthaus, Zürich, 2017, Kat.-Nr. 58, Abb. S. 207
Volker Wahl: Botho Graef in Jena. Gelehrter und Kunstfreund, Jena, 2021, Abb. S. 117
Das Porträt „Hugo“ entstand 1914 und zeigt den Forstaufseher und Tänzer Hugo Biallowons (1879-1916), den Ernst Ludwig Kirchner über den Archäologen und Kunsthistoriker Botho Graef kennenlernte. Der Dargestellte erscheint im Halbprofil, den Blick leicht in die Ferne gerichtet. Mit den charakteristischen kantigen Formen, einem freien Pinselduktus und den kontrastierenden Grün-, Blau- und Violetttönen vor leuchtend gelbem Grund schuf Kirchner ein ausdrucksstarkes Bildnis, das weit über eine reine Porträtdarstellung hinausgeht.
Hugo Biallowons gehörte 1914 zum engeren Freundeskreis des Künstlers und stand ihm mehrfach Modell. Er erscheint unter anderem auch in dem Gemälde „Tänzer zwischen zwei Frauen“. Eine von Kirchner aufgenommene Fotografie zeigt Botho Graef und Hugo Biallowons gemeinsam vor dem Gemälde „Badende im Raum“ und dokumentiert die enge Verbindung zwischen Künstler und Dargestellten.
Mit dem Tod Hugo Biallowons in der Schlacht um Verdun im Jahr 1916 und dem wenige Monate später folgenden Tod Botho Graefs verlor Kirchner zwei seiner engsten Vertrauten. Diese persönlichen Schicksalsschläge trafen ihn in einer Zeit wachsender psychischer Belastung während des Ersten Weltkriegs und verstärkten eine Krise, die schließlich zu seinem Zusammenbruch und langen Sanatoriumsaufenthalten führte. Dennoch entstanden in diesen Jahren einige der bedeutendsten Werke seines Œuvres. Das „Porträt Hugo“ erinnert an einen engen Freund und zählt zu den eindrucksvollsten Bildnissen dieser für Kirchner so prägenden Zeit.
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