Zwei liegende Akte - Ernst Ludwig Kirchner

Provenienz:

Nachlass des Künstlers

Galerie Kornfeld, Bern

Ernst und Gustel Pfänder, Nürtingen (seit den 1960er Jahren, bei oben genannter Galerie erworben)

Sammlung Olbricht, Essen

Ernst Ludwig Kirchner – Zwei liegende Akte

Motiv und Komposition

In der frühen Pastellzeichnung Zwei liegende Akte nähert sich Ernst Ludwig Kirchner seinem Bildgegenstand mit wenigen schwarzen Konturlinien auf bräunlichem Papier. Dargestellt sind zwei weibliche Akte auf einem Bett oder Sofa, dessen räumliche Verortung bewusst offen bleibt. Dass es sich um ein Bett handeln dürfte, erschließt sich allein aus der Körperhaltung der Figuren.

Eine der beiden Frauen ist vollständig unbekleidet. Mit angezogenen Beinen und aufgestütztem rechten Arm positioniert Kirchner sie in der oberen Bildmitte. Am linken Bildrand hockt die zweite Figur frontal dem Betrachtenden zugewandt. Ihre obere Körperhälfte ist nackt, während ihre Beine scheinbar von einer gelben Decke bedeckt werden. Auch hier arbeitet Kirchner mit einer gezielten Uneindeutigkeit des Dargestellten.

Charakteristisch ist, dass die Nacktheit nicht durch modellierende Farbgebung entsteht, sondern durch das bewusste Freilassen des Papiers. Der bräunliche Untergrund fungiert als Körperfarbe und wird damit zu einem aktiven Bestandteil der Komposition.

Farbe, Linie und expressionistische Technik

Das Weglassen von Farbe in den Körperpartien steht im deutlichen Kontrast zu den intensiven Tönen der Umgebung. Die Konturlinien verstärkt Kirchner mit leuchtendem Orange, ins Violette tendierendem Blau und Bordeauxrot. Das Bett füllt er mit hellem Blau, die Decke mit einem kräftigen Senfgelb.

Typisch für Kirchners expressionistische Zeichentechnik bleiben die einzelnen Kreidestriche sichtbar nebeneinander stehen. Die Farben werden nicht verwischt, sondern behaupten sich eigenständig im Bildraum. Gerade dieses Nebeneinander erzeugt eine überraschende Tiefe und Räumlichkeit, die in spannungsvollem Gegensatz zum durchscheinenden Papiergrund steht.

In Zwei liegende Akte begegnen sich Fläche und Raum, Linie und Farbe, Kontrast und Leerstelle in einer bewusst eingesetzten Polarität. Die Arbeit zeigt exemplarisch Kirchners frühen Umgang mit dem Motiv des weiblichen Aktes und dokumentiert seine Suche nach einer unmittelbaren, expressiven Bildsprache im Kontext des deutschen Expressionismus.

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