Werkverzeichnis: Krause 198
Provenienz:
Nachlass des Künstlers
Galerie Nierendorf, Berlin (1960er/1970er)
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (durch Erbschaft)
Diese sehr prägnante Plastik stammt aus einer der markantesten Schaffensphasen des Bildhauers: Sie ist eine der wenigen Figuren, die im absoluten Gegensatz zur herrschenden Doktrin der Ästhetik der Nationalsozialisten überhaupt entsteht und dann auch noch gerettet werden konnte. Sie ist unter extremen Bedingungen und strengster Geheimhaltung realisiert worden. Karl Hartung hat sie in seinem Berliner Atelier bei den regelmäßigen Kontrollen sogar verstecken müssen. Der Grad der Abstraktion ist vor dem Hintergrund der Entstehungszeit, in der jeglicher Hauch von abstrahierender Darstellung verboten und als „entartete Kunst“ deklariert wurde, als „gefährlich hoch“ einzustufen. Dieses Werk symbolisiert einen Meilenstein in der sehr frühen und mutigen Abkehr Hartungs von der naturalistischen und realistischen Bildhauerei im Deutschland der Dreißigerjahre. „Eine gewisse Unabhängigkeit ließ sich nur dann aufrechterhalten, wenn man einen sauberen Strich zog zwischen der Produktion für die Öffentlichkeit und der eigentlichen künstlerischen Arbeit.“ (Markus Krause, WVZ S. 67)
Dieses Stück gehörte definitiv zur eigentlichen künstlerischen Arbeit in dieser Zeit und war „nicht für Brötchen gemacht“ (ein Ausdruck Karl Hartungs, Zitat). „Hartungs plastische Arbeiten thematisieren so eine Lebenswirklichkeit, die eine Gegenwelt zur äußeren Realität darstellt. Sie reklamieren für sich einen Freiraum, der sich jeder gesellschaftlichen und politischen Vereinnahmung entzieht. Insofern beinhalten sie indirekt auch einen Protest gegenüber den Lebensumständen unter dem Nationalsozialismus. Mit seinen Plastiken verweigerte sich Hartung dem offiziellen Wertesystem auf eine grundsätzliche und radikale Weise. Das in seinen figurativen Werken zum Ausdruck gelangende Menschenbild geht vollkommen auf in einem universellen, metaphysischen Weltbild, welches eine Ganzheit beschwört, die im täglichen Leben weitgehend unberücksichtigt bleibt. Eine bildlich sichtbar gemachte Rückbindung, die Hartung nicht als Regression, sondern als positive Entgrenzung verstand.“ (Markus Krause, WVZ S. 72)
Die Entdeckung dieser Plastik hätte Hartung damals alles kosten können und wird so zum Sinnbild seiner inneren Rebellion und seiner künstlerischen Grenzüberschreitung.
Anna Hartung
Dienstags-freitags 10-16 Uhr und nach Vereinbarung
An gesetzlichen Feiertagen bleibt die Galerie geschlossen.
Galerie Utermann
Silberstraße 22
44137 Dortmund
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